Einführung

Versuchen Sie einmal …,
sich in die Zeit um 1880 bis zur Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu versetzen, also in die Zeit der Entstehung
der in diesem Kunstbuch gezeigten Bilder der »Berliner Schule« des Impressionismus. Das könnte helfen zu verstehen, welche Wege die Künstler damals einschlugen, um ihre Werke vorzustellen und ihnen die erstrebte Wirkung zu verleihen. Es kann helfen, auch wenn man heute in den Museen Gemälde aus aller Welt und aus allen Epochen finden kann.
Heute sind die Werke der Impressionisten gefragt, hoch bewertet und geschätzt. Damals jedoch, in der Zeit der ausgehenden Spätromantik, als unterschiedliche Stile zusammenspielten und die Ästethik des Jugendstils noch in voller Blüte stand, taten sich die Berliner Künstler schwer gegen Kolossalgemälde wie z.B. die »Kaiserproklamation im Spiegelsaal von Versailles«.
Von Paris hatte der neue Stil Impressionismus seinen Ausgang genommen, mit »Lichtmalerei« sorgten die französischen Impressionisten für Furore. Aber auch ein Edouard Manet machte seine negativen Erfahrungen! Kaiserin Eugenie soll 1864 bei der Großen Pariser Kunstausstellung mit ihrem Fächer nach einem seiner Gemälde geschlagen haben, dessen vermeintlich schlampige Malweise sie so ärgerte und zu dieser sogleich von den Konservativen beklatschten Geste provozierte.
Und auch in Deutschland fand der »unerhört neue Stil« nicht nur Zustimmung, sondern auch skeptisches Kopfschütteln. Selbst seine allerhöchste Majestät, Kaiser Wilhelm II, der glaubte, als Hobbymaler Fachmann zu sein und den Kunststil vorgeben zu können, mokierte sich über die »Rinnsteinkunst« eines Liebermann und seiner Freunde.
Rätselhaft auch die Aufregung um van Goghs leuchtende Farben, und nicht zu vergessen die Skandale um eine Ausstellung von Edvard Munch im Jahr 1892 und um eine Lithographie von Toulouse-Lautrec im Jahr 1895.
Ein Anliegen dieses Kunstbuches ist es, die Werke der Berliner Künstler des Impressionismus, von A (Amberg) bis Z (Zawadzky), aus den Jahren 1874 bis weit in das 20.Jahrhundert hinein näher zu bringen. Mit den einleitenden Ausführungen und den Kommentaren zu den Bildern soll zugleich versucht werden, historische Hintergründe zu erläutern und die Geisteshaltung jener Zeit verstehen zu lassen – aus der sich die Ablehnung und das Entsetzen erklären, mit der manches Werk und mancher Künstler zu kämpfen hatten – und deren wir uns eher bewusst sein können, wenn wir, um auf den Anfang zurück zu kommen, versuchen, uns in die damalige Zeit zu versetzen.